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Mittwoch, 01.09.2021


Afghanische Muslime in Frieden lebend - bis Taliban

Islamischer Rechtswissenschaftler: "Taliban light" ist abwegig und wird scheitern

"Wenn die Taliban mit ihrer rauen Gewalt ihre Ideologie durchzusetzen versuchen, wird dies letztlich an dem pluralistischen und offenen Verständnis des Islams in Afghanistan scheitern"

Köln Der islamische Rechtswissenschaftler Idris Nassery findet es abwegig, die heutigen Taliban als gemäßigt zu bezeichnen. Sie setzten ihre Ideologie mit Terror durch, sagte der Paderborner Wissenschaftler am Dienstag dem Kölner Portal domradio.de. Wer von "Taliban light" spreche, müsse erklären, ob die Terrorgruppe ihre Kalaschnikows nun zum Kochen benutzten.

Die Taliban seien der Ursprung des Terrors in Afghanistan gewesen und für Tausende Tote verantwortlich, sagte Nassery. Dies dürfe nicht außer Acht gelassen werden, nur weil sie jetzt für Ruhe sorgten und sich als vermeintlich gemäßigt präsentierten. "Es sind nach wie vor dieselben Taliban, wie sie 1994 und 1996 Teile von Kabul einnahmen und somit sich das gesamte Land unterjochten", sagte der Rechtswissenschaftler.

Was die Taliban als Islam bezeichnen, ist laut Nassery fern von den 1.400 Jahren islamischer Tradition. Zwar gebe es in Afghanistan eine erhebliche Schicht, die einen gewissen Konservatismus lebe - "aber in ihrem eigenen kulturellen Format und ihrem eigenen kulturellen Kontext". Im Grunde genommen habe der Vielvölkerstaat Afghanistan auch aufgrund seiner jahrhundertelangen Tradition des sogenannten mystischen Islams einen ganz anderen Zugang zu der Religion. Wenn die Taliban mit ihrer rauen Gewalt versuchten, nur ihre Ideologie durchzusetzen, werde dies letztlich an dem pluralistischen und offenen Verständnis des Islams in Afghanistan scheitern.