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Mittwoch, 10.06.2020

Palästina: Proteste gegen Baubeginn eines Einkaufszentrums auf muslimischem Friedhof in Jaffa

"Während es in arabischen Ländern Dutzende geschützte jüdische Friedhöfe gibt, versucht Tel Aviv jedwede Spuren der Muslime und Araber von Jaffa auszulöschen"

Palästina Unter Protesten haben am Montag Abrissarbeiten auf einem muslimischen Friedhof aus osmanischer Zeit in Tel Aviv-Jaffa begonnen. Gegner des Vorhabens versuchten, die Arbeiten zu stoppen, wurden jedoch durch ein großes Polizeiaufgebot daran gehindert, wie die Tageszeitung "Haaretz" berichtete. Die Stadt Tel Aviv will auf dem Gelände ein Obdachlosenheim und ein Einkaufszentrum bauen.

Vertreter der Stadt versicherten laut Bericht, dass die Gräber nicht beschädigt würden. Sollte eine Umbettung nötig werden, würden die sterblichen Überreste an anderer Stelle auf dem Gelände bestattet werden.

Demonstranten warfen Tel Avivs Bürgermeister die Schändung muslimischer Gräber vor. Der Vorsitzende des Islamrats in Jaffa, Tarek Aschkar, kündigte gegenüber der Zeitung an, die Proteste gegen den Abriss des Friedhofs noch zu verstärken. Der Respekt vor den Toten dürfe keine Nationalität haben, so Aschkar. Während es jedoch in arabischen Ländern Dutzende geschützte jüdische Friedhöfe gebe, versuche Tel Aviv jedwede Spuren der Muslime und Araber von Jaffa auszulöschen.



Moschee mit Minarett in Tel Aviv und anliegender Moschee


Die Demonstranten hatten demnach einen Protestmarsch mit einem abschließenden Massengebet gegen den Abriss geplant.

Im Januar hatte das Bezirksgericht Tel Aviv einen Einspruch des örtlichen Islamrats mit der Begründung abgelehnt, dass im Konfliktfall die Interessen der Lebenden Vorrang vor jenen der Toten haben sollten.

Der Friedhof in Jaffa wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgegeben und bekannte Gräber auf einen anderen Friedhof übertragen. Anschließend diente das Gelände einem muslimischen Sportverein als Fußballfeld und wurde später als Warenlager genutzt, bevor es als öffentliches Gelände deklariert und für eine Klinik und später für ein Obdachlosenheim genutzt wurde. Bei Beginn der Arbeiten für einen Neubau des Heims wurden rund 60 Gräber aus dem 18. Jahrhundert gefunden.