Newsnational Donnerstag, 22.08.2019 |  Drucken

Juden und Muslime machen sich grosse Sorgen wegen SchächtverbotCampagne der CDU-Niedersachsen

Offener Brief des ZMD-Landesverbandes an die CDU-Niedersachsen

Sehr geehrte Damen und Herren,Sehr geehrte Mitglieder der CDU-Landtagsfraktion Niedersachsen,mit großem Bedauern haben wir von dem Vorstoß der CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag erfahren, das Halal-Schächten von Tieren für Muslime und die Koschere-Schlachtung von Tieren für Juden in Niedersachsen vollumfänglich zu verbieten.

Wir sind sehr darüber verwundert, dass diejenigen, die in der niedersächsischen CDU-Landtagsfraktion diesen Beschluss auf den Weg gebracht haben, den grundsätzlichen Schaden, den dieses Vorgehen auslöst, nämlich das grundgesetzlich verbriefte Recht auf Freie Religionsausübung massiv zu beschränken, vollkommen ignorieren. Dieser Beschluss betrifft gleichermaßen die Jüdischen wie auch die Muslimischen Gemeinschaften in Niedersachsen und beeinflusst ihr beider religiöses Leben in äußerst negativer und bedenklicher Weise.

In Zeiten wie diesen, die leider von zunehmender verbaler und tätlicher Gewalt auf Muslime und Juden gekennzeichnet sind, hätten wir uns von Ihnen mehr Signale des Zusammenhalts, des Respektes und der Akzeptanz gewünscht als solche, die das Leben religiöser Minderheiten in einem weltoffenen und toleranten Deutschland erheblich erschweren.

Um so unverständlicher ist der gewählte Zeitpunkts für den Beschluss gewesen, nämlich wenige Tage vor dem heiligen Opferfest der Muslime. Dieses Fest stellt für Muslime den Abschluss eines mehrtägigen Gottesdienstes (Pilgerfahrt/Hadsch) zu Ehren des Propheten Abrahams dar. Abraham (Friede sei mit ihm) spielt in allen drei monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam eine zentrale Rolle.

Desto verwunderlicher, dass dieser Vorstoß gerade von der christlichen und demokratischen Union kommt.Das Schächten wird von Manchen Gruppen als eine Tierquälerei betrachtet. Diese Auffassung wird aber wissenschaftlich entkräftet. Der Vorgang des betäubungslosen Schächtens mag für den unerfahrenen, nicht-professionellen Betrachter als unmenschlich erscheinen. Allerdings zeigen die Ergebnisse der Untersuchungen, dass sie eines der humansten und stress-ärmsten Methoden beim Opfern bzw. der Schlachtung eines Tieres ist.

Der respektvolle Umgang mit Tieren ist ein wichtiger Bestandteil der islamischen Ethik. Mehrere Gebote regulieren die Art und Weise für eine gute Behandlung des Tieres. Die „Nicht-Zur-Schau-stellung“ eines geeigneten scharfen und ausreichend großen Messers ist eines der einfachsten, aber auch wichtigsten islamischen Gebote, um den Stress für ein Tier auf ein Minimum zu reduzieren, um nur ein Beispiel zu nennen, welche Maßnahmen für die Schächtung eines Tieres beachtet werden müssen.

Das praktische, schnelle Vorgehen beim fast zeitgleichen Durchschneiden der Luftröhre, Carotis-Gefäße und der Jugular-Gefäße erlaubt eine sofortige Unterbrechung des Schmerzempfindens des Tieres, weil die Versorgung des Gehirns (Der zentrale Ort zur Verarbeitung der neuronalen Signale - also Schmerz) damit unterbrochen wird.

Das Schächten ist mit seinen festen Regeln ein religiöses Gebot, das von den Gläubigen zu beachten ist, Juden und Muslime gleichermaßen. Selbst die Meinungen unter den Muslimen, die eine Betäubung eines Tieres gestatten, sprechen eher von Ausnahmen und präferieren für die richtige religiöse Praxis die betäubungslose Schächtung.

Wir im Zentralrat der Muslime in Deutschland und in Niedersachsen appellieren an Sie, diesen Beschluss rückgängig zu machen, oder zumindest das religiös begründete Schächten von Tieren für Muslime und Juden in Deutschland hiervon auszunehmen.Zu einem zeitnahen und klärenden Gespräch sind wir gerne bereit Sie zu besuchen.



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