Newsnational Montag, 17.06.2019 |  Drucken

Schließung des König-Abdullah-Zentrums in Wien (KAICII) wäre ein schwerer religionspolitischer Fehler

Rabbi David Rosen: KAICIID wäre besser in anderen EU Ländern platziert gewesen.

Wien (KNA) Die vom österreichischen Parlament beschlossene Schließung des König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog (KAICIID) in Wien stößt weiter auf gemischte Reaktionen. Die Türkische Kulturgemeinde in Österreich (TKG) begrüßt die Entscheidung.

"Die Legitimität einer - per Selbstdefinition - international agierenden 'religiösen' Organisation, welche sich bei gröbsten Verstößen gegen fundamentale Menschenrechte kaum zu Wort meldet, ist mehr als zu hinterfragen", hieß es in einer am Montag in Wien veröffentlichten Mitteilung. Die Entscheidung des österreichischen Nationalrates sei weder Populismus noch Symbolpolitik oder Heuchelei, wie Kritiker in den vergangenen Tagen geäußert hätten.

Widerspruch gegen die Parlamentsentscheidung kam hingegen vom britischen Rabbiner David Rosen. Vielleicht sei es schon ein Fehler gewesen, das Zentrum in Wien zu gründen, sagte er der österreichischen Zeitschrift "profil". Rosen gehört dem Leitungsgremium des KAICIID an. "Manche politischen Elemente in Österreich hatten von Beginn an eine Agenda." Nach Ansicht des Rabbiners hätte man schon "viel früher an einen Platz denken sollen, der freundlicher ist". Überall in Europa sei es derzeit besser.

Unter Anspielung auf regelmäßige Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien, das maßgeblich hinter dem Zentrum steht, erklärte der jüdische Dialog-Experte: "Wenn man ein bestimmtes saudisches Verhalten nicht mag, muss dann jede Institution gehen, die mit Saudi-Arabien verbunden ist oder von dort finanziert wird? Soll der Sitz der Opec in Wien auch schließen?"

Vergangenen Mittwoch hatten sich im Nationalrat SPÖ, FPÖ und NEOS einem Entschließungsantrag der Liste JETZT für einen Ausstieg Österreichs aus dem Zentrum und die Kündigung des Amtssitzabkommens angeschlossen. Die ÖVP trug den Antrag nicht mit, sprach sich aber ebenfalls für eine Schließung des Zentrums bei gleichzeitiger Neugründung einer ähnlichen Institution unter dem Dach der UNO aus.

Das nach dem saudischen König Abdullah bin Abdulaziz (2005-2015) benannte Zentrum wird zum größten Teil von Saudi-Arabien finanziert. Gründungsmitglieder waren 2011 Österreich, Spanien, der Vatikan - als Beobachter - sowie Saudi-Arabien. Das Zentrum stand seither immer wieder wegen möglicher saudischer Einflussnahme in der Kritik.





Wollen Sie einen
Kommentar oder Artikel dazu schreiben?
Unterstützen
Sie islam.de
Diesen Artikel bookmarken:

Twitter Facebook MySpace deli.cio.us Digg Folkd Google Bookmarks
Linkarena Mister Wong Newsvine reddit StumbleUpon Windows Live Yahoo! Bookmarks Yigg
Diesen Artikel weiterempfehlen:

Anzeige

Hintergrund/Debatte

ZMD Generalsekretär Abdassamad El Yazidi nimmt zum zweiten Mal an der Internationalen Sufi Konferenz für Spiritualität in Madagh / Marokko teil
...mehr

Muhammad Sameer Murtaza (langjähriger Autor von islam.de): "Gewaltlosigkeit im Islam" - die wichtigsten Akteure und Bewegungen der muslimischen Friedensethik
...mehr

Juden, Christen und Muslime gegen Euthanasie und Suizid-Beihilfe - Kabinett aus u.a. Papst Franziskus, Großrabbinat von Israel, sowie Scheich Abdullah Bin Bayah
...mehr

Die Universität Tübingen sieht "keinerlei Belege" für Vorwürfe, dass es am Zentrum für Islamische Theologie (ZITh) ein "Netzwerk der Muslimbrüder" gebe
...mehr

Neuer ZMD-Landesverband in Hamburg gegründet - Vorstandsvorsitzender der Al-Nour Moschee Daniel Abdin wurde zum ersten und neuen Vorsitzenden des Landesverbandes Hamburg gewählt
...mehr

Alle Debattenbeiträge...

Die Pilgerfahrt

Die Pilgerfahrt (Hadj) -  exklusive Zusammenstellung Dr. Nadeem Elyas

88 Seiten mit Bildern, Hadithen, Quran Zitaten und Erläuterungen

Termine

Islamische Feiertage
Islamische Feiertage 2019 - 2027

Tv-Tipps
aktuelle Tipps zum TV-Programm

Gebetszeiten
Die Gebetszeiten zu Ihrer Stadt im Jahresplan

Der Koran – 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben

Marwa El-Sherbini: 1977 bis 2009