Newsnational Freitag, 19.10.2018 |  Drucken


Hessen ist nicht Bayern

Die politische Kultur gilt hier als weniger polarisiert, auch vor der Landtagswahl. Doch das Auftreten der AfD in Hessen beunruhigt nicht nur die etablierten Parteien, sondern auch die Kirchen.

Wiesbaden (KNA/eigene) Lange schien die am 28. Oktober bevorstehende Landtagswahl in Hessen "nur" eine Abstimmung mit landespolitischer Bedeutung zu sein - relativ unbeeinflusst von der Wahl in Bayern. Das Auftreten der AfD besorgt jedoch nicht nur die etablierten Parteien, sondern zunehmend auch die Kirchen im Land. Frank van der Velden, Islamreferent des Bistums Limburg, schrieb jetzt in einer von der Diözese veröffentlichten Stellungnahme: "Seit Beginn des Landtagswahlkampfes schauen Katholiken in der Region irritiert auf Plakate der hessischen AfD, die den Limburger Dom mit dem Slogan 'Deutsche Leitkultur! Islamunterricht! Nicht an unseren Schulen!' zeigen."

Nach Einschätzung des Experten wendet sich die AfD mit ihrer Kampagne insbesondere an Kirchenmitglieder an der Basis, die über eine wachsende Distanz der Kirche zu ihren Anhängern klagen. Der Islambeauftragte der Diözese Limburg vermutet deshalb eine "kirchenkritische Abwerbekampagne" der AfD, "welche die Mobilisierung des katholischen Milieus gegen die eigenen kirchlichen Strukturen beabsichtigt". Sein Fazit: "Christentum ist der AfD nur solange willkommen, als es die Verteidigung des kulturellen Erbes einer deutschen Dominanzgesellschaft repräsentiert und sich zum Beispiel gegen die Zuwanderung von Muslimen instrumentalisieren lässt."

Gegenüber den anderen Parteien in Hessen waren während des Wahlkampfs keine scharfen Töne seitens der Kirchen vernehmbar. Hier gibt es anders als in Bayern auch keinen Ministerpräsidenten, der mit einem "Kreuz-Erlass" oder durch betont scharfe Rhetorik in der Flüchtlingspolitik polarisiert. Dem seit 2010 amtierenden hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) wird ein eher "konsensorientierter" Regierungsstil nachgesagt.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung rief bereits im August die etablierten Parteien dazu auf, in der Flüchtlingspolitik "eine sachliche Linie zu finden" und sich nicht "an Stimmungen zu orientieren". Bloße "Symbolpolitik" und eine "Erregungskultur" schadeten nur, betonte der evangelische Geistliche.





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