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Donnerstag, 06.09.2018

Moscheen und humanitäre Einrichtungen wegen Offensive in Idlib gefährdet

Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich besorgt gezeigt über die Entwicklung in der syrischen Region Idlib

Berlin - „Die Gefahr einer Zuspitzung der Lage in Idlib mit kaum mehr überschaubaren Konsequenzen wächst", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Donnerstag). Russische und syrische Streitkräfte hatten am Dienstag begonnen, Ziele in der letzten von der Opposition gehaltenen Region zu bombardieren. Die Risiken eines "politischen und humanitären Desasters" von "ungekanntem Ausmaß" seien offenkundig, erklärte Maas. Das müsse gerade jenen bewusst sein, "die gleichzeitig schon jetzt die großflächige Rückkehr von Flüchtlingen und den Anschein von Normalität zu propagieren versuchen“.

Der Minister warnte vor "unübersehbaren Folgen" einer weiteren militärischen Eskalation für die über drei Millionen Menschen in der Region. "Die Gefahr ist groß, im Blindflug in einen Abgrund menschlichen Leids zu steuern“, sagte der SPD-Politiker. Als einer der größten humanitären Geber stehe Deutschland in intensiven Gesprächen mit Partnerländern und den Vereinten Nationen. Am Mittwoch hatte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin erklärt, die Bundesregierung erwarte von Russland, "das syrische Regime von einer Katastrophe abzuhalten".

Der Malteser Hilfsdienst kündigte in Köln die Vorbereitung medizinischer Nothilfe für die Verletzten an. „In den kommenden Monaten erwarten wir bis zu 700.000 neu Vertriebene in der Grenzregion zur Türkei", sagte die Ländergruppenleiterin für Syrien und Libanon bei Malteser International, Janine Lietmeyer. Die Kapazitäten der Krankenhäuser in der Region seien sehr begrenzt. "Wir teilen voll und ganz die Einschätzung der UN, dass eine Großoffensive der syrischen Armee für die Zivilbevölkerung in der Region katastrophale Folgen haben wird“, sagte Lietmeyer.




Das Bündnis "Aktion Deutschland Hilft" (ADH) verwies in Bonn darauf, dass die Hälfte der drei Millionen Menschen in der Region intern vertriebene Kinder, Frauen und Männer aus anderen Landesteilen Syriens seien. "Umso unwahrscheinlicher eine politische Lösung wird, desto wichtiger ist jetzt der Beitrag, den humanitäre Hilfsorganisationen leisten", sagte Manuela Roßbach, geschäftsführender Vorstand von ADH. Man bereite sich auf schlimmste Folgen der Offensive für die Zivilbevölkerung und eine "humanitäre Katastrophe" vor.

Das Hilfswerk Islamic Relief Deutschland appellierte im Namen aller ADH-Bündnisorganisationen an die Kriegsparteien, internationales humanitäres Recht und die Menschenrechte achten, keine Zivilisten anzugreifen und uneingeschränkten humanitären Zugang zu ermöglichen. "Aus der Erfahrung ähnlicher militärischer Offensiven befürchten wir auch, dass soziale und humanitäre Einrichtungen wie Schulen, Krankenhäuser, Märkte und Moscheen als erstes getroffen werden", erklärte der Sprecher für das Syrien-Programm von Islamic Relief, Ahmed Mahmoud.