Newsnational Montag, 27.08.2018 |  Drucken


Innenminister Horst Seehofer will Religionsverfassungsrecht stärken

ZMD: "Wir haben übrigens immer nur die unveräußerlichen Rechte, die das Grundgesetz vorsieht, eingefordert und das bedeutet Gleichheit und Gleichbehandlung aller Religionsgemeinschaften."

Berlin (KNA) Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, hat die jüngsten Äußerungen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) zum Umgang mit Religion gewürdigt. Bislang hätten Religionsgemeinschaften und Kirchen etwa in der Flüchtlingsfrage entlang der Verfassung argumentiert, sagte Mazyek am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Es sei "erfrischend", dass die Politik nun auch einen solchen sachlichen Ton anschlage.

Seehofers Einlassungen seien durchaus konkret, so Mazyek. Insbesondere begrüße er den klaren Hinweis darauf, dass sich das Grundgesetz auf alle Religionsgruppen beziehe, sowie die Betonung, dass Staatsneutralität nicht Werteneutralität meine: "Denn das Grundgesetz geht von Werten aus." Kritik übte Mazyek an einer Unterteilung in Mehrheits- und Minderheitsgesellschaft. "Mit dem Begriff 'Hinzugekommene' meint Seehofer in erster Linie die neu gekommenen Flüchtlinge. Das ist richtig, aber es gibt nicht nur Hinzugekommene und Urdeutsche."

Der Vorsitzende des ZMD postete kürzlich auf seinem Facebook Account: "Bei aller berechtigten Kritik ist es gut, dass der Innenminister am Grundgesetzes entlang argumentiert und somit einen guten Geist in die Debatte wirft, der besser ist als der aus den vergangenen Diskussionen. Wir haben übrigen stets diesen Weg eingeschlagen und nie eine Sonderbehandlung, sondern immer nur die unveräußerlichen Rechte, die das Grundgesetz vorsieht, eingefordert und das bedeutet Gleichheit und Gleichbehandlung aller Religionsgemeinschaften." Seehofer hatte sich zuvor für eine Debatte über die Rolle von Religion und ihrem Verhältnis zum Staat ausgesprochen. "Die Zuwanderung von Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsstaaten, mit unterschiedlicher religiöser und kultureller Prägung, hat zu erheblichen Herausforderungen geführt, die auch das Verhältnis zwischen Religion und Staat betreffen", schreibt der CSU-Chef in einem Gastbeitrag für die Zeitung "Die Welt" (Donnerstag).

Er wolle die "grundlegende Frage" thematisieren: "Wie gestalten wir das Zusammenleben in einer religiös und weltanschaulich pluraler gewordenen Gesellschaft?", so der Minister. Dazu werde er mit "allen relevanten religiösen Gemeinschaften" das Gespräch suchen. Der CSU-Vorsitzende warnte davor, das Thema Religion auf die sinkende Mitgliederzahl der christlichen Kirchen oder den Umgang mit dem Islam zu verengen. Die Religionsgemeinschaften müssten "entsprechend ihrer Größe und Zahl der von ihnen vertretenen Gläubigen von der Politik gehört werden".



Ähnliche Artikel

» ZMD und NRW-Landesregierung kritsieren Integrationsgipfel
» 28.11.2018 „Eine muslimfeindliche Stimmung gab es schon lange“ - Aiman Mazyek, Vorsitzender des ZMD, spricht im RND (u.a. Frankfurter Rundschau) über das gesellschaftliche Klima und die Ergebnisse der Islamkonferenz
» "In den Gemeinden hätten viele Muslime das Gefühl, dass ihre Sorgen und ihr nachvollziehbares Sicherheitsbedürfnis nicht ernst genommen werden"
» Warum kaum öffentliche Beachtung über Rückgang religiös motivierter Straftaten?

Wollen Sie einen
Kommentar oder Artikel dazu schreiben?
Unterstützen
Sie islam.de
Diesen Artikel bookmarken:

Twitter Facebook MySpace deli.cio.us Digg Folkd Google Bookmarks
Linkarena Mister Wong Newsvine reddit StumbleUpon Windows Live Yahoo! Bookmarks Yigg
Diesen Artikel weiterempfehlen:

Anzeige

Hintergrund/Debatte

Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) bietet Weiterbildungsseminar für Lehrkräfte von ergänzendem Arabischunterricht an
...mehr

Verurteilung im Verfahren Dresdener "Moschee-Anschlag" rechtskräftig
...mehr

Bertelsmann Studie: 50% empfinden den Islam als Bedrohung - Interview mit ZMD Vorsitzenden Aiman Mazyek
...mehr

Steht die Zukunft des Islamischen Religionsunterrichts auf dem Spiel? - ZMD-Vizevorsitzende Nurhan Soykan im Interview mit IslamiQ
...mehr

"Gleichheitswidrig" - Oberlandesgericht Rheinland-Pfalz setzt Burkini Verbot in Koblenz außer Kraft
...mehr

Alle Debattenbeiträge...

Die Pilgerfahrt

Die Pilgerfahrt (Hadj) -  exklusive Zusammenstellung Dr. Nadeem Elyas

88 Seiten mit Bildern, Hadithen, Quran Zitaten und Erläuterungen

Termine

Islamische Feiertage
Islamische Feiertage 2019 - 2027

Tv-Tipps
aktuelle Tipps zum TV-Programm

Gebetszeiten
Die Gebetszeiten zu Ihrer Stadt im Jahresplan

Der Koran – 1400 Jahre, aktuell und mitten im Leben

Marwa El-Sherbini: 1977 bis 2009