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Freitag, 24.08.2018

Menschenrechtler: China schikaniert seine Mekka-Pilger

Muslime werden unter "Generalverdacht" gestellt Staatsfeinde zu sein - Sie müssen ein Halsband mit GPS- und QR-Code tragen, mit Name, Adresse, Foto und aktueller Standort - Überwachung durch Staatssicherheit - nur noch 11.500 chinesische Staatsbürger bekamen Erlaubnis zu fahren (Sonderregelungen)

Göttingen (KNA) Die chinesische Regierung erschwert nach Einschätzung der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die Pilgerreisen von muslimischen Staatsbürgern nach Mekka. Hintergrund sei, dass Muslime unter "Generalverdacht" gestellt würden, Staatsfeinde zu sein, wie die Menschenrechtler am Montag in Göttingen mitteilten. Den Angaben zufolge werden Pilger zudem mit GPS-Ortungssystemen ausgestattet.

Sie würden dazu gezwungen, "ein Halsband mit GPS- und QR-Code zu tragen, dem jederzeit Name, Adresse, Foto und aktueller Standort über eine entsprechende App zu entnehmen sind", erklärte GfbV-Direktor Ulrich Delius. Das sei menschenverachtend und außerdem eine "massive Verletzung" der in der Verfassung zugesicherten Religionsfreiheit. "So werden Chinas Muslime zu Bürgern zweiter Klasse gemacht."

Die staatliche Islamische Vereinigung Chinas begründet nach Angaben der Menschenrechtler die Ausstattung mit GPS-Ortungssystemen mit der Sorge um die Sicherheit der Pilger. So könne verhindert werden, dass sich Teilnehmer der Reisegruppe verlören, hieß es. Der GfbV zufolge berichteten Pilger von vergangenen Reisen nach Mekka, dass "Hunderte Mitarbeiter der Staatssicherheit" die Gläubigen während der Reise überwachten, um Regimekritik zu verhindern.

Die Zahl der chinesischen Mekka-Pilger reduzierte sich laut GvbV stetig: Während 2016 noch etwa 14.500 Muslime dorthin reisen durften, waren es ein Jahr danach rund 12.800. Im Jahr 2018 dürfen demnach nur 11.500 chinesische Staatsbürger fahren. Besonders strenge Auflagen gälten für Uiguren: Sie müssten mindestens 60 Jahre alt sein und sich schriftlich zur Führungsrolle der Kommunistischen Partei bekennen. Auch dürfe höchstens ein Angehöriger einer Familie pilgern.Die rund 10 Millionen Uiguren sind den Angaben zufolge nach den Hui die zweitgrößte muslimische Bevölkerungsgruppe unter den 23 Millionen Muslimen in China. Laut Schätzungen durften die Uiguren 2017 aber nur 1.400 der Mekka-Pilger aus der Volksrepublik stellen.

Am Sonntag hatten die Eröffnungsriten der Haddsch genannten Wallfahrt ins saudi-arabische Mekka begonnen. Bis Freitag werden dort etwa 2 Millionen Muslime aus aller Welt die verschiedenen Riten vollziehen. Als eine der fünf Säulen des Islam ist die Pilgerreise für physisch gesunde und finanzkräftige Muslime Pflicht und sollte zumindest einmal im Leben erfüllt werden.