Newsnational Dienstag, 05.06.2018 |  Drucken

Katholiken grenzen sich stärker von Muslimen ab

Praktizierende Christen in Europa haben mehr Vorurteile gegenüber Muslimen als nicht praktizierende und Konfessionslose - deutsche Katholiken ähnliches Bild

Deutsche Katholiken äußern eher als Protestanten negative Ansichten über Muslime. Das geht aus einer aktuellen Studie des Pew-Forschungsinstituts mit dem Titel "Christ sein in Westeuropa" hervor, für die im vergangenen Jahr rund 25.000 Erwachsene in 15 Ländern befragt worden waren. Danach antwortete etwa jeder zweite Katholik (51 Prozent), er sei nicht bereit, Muslime als Familienmitglieder zu akzeptieren. Von den befragten Protestanten äußerten dagegen nur etwa 16 Prozent diese Ansicht. Insgesamt waren 33 Prozent der Deutschen gegen Muslime in der eigenen Familie.

Anders stellt sich die Situation in der Schweiz dar, wo 41 Prozent der Protestanten und 34 Prozent der Katholiken Vorbehalte gegen muslimische Familienmitglieder äußerten. Eine ähnlich hohe Ablehnung wie unter deutschen Katholiken fanden die Forscher sonst nur noch in Italien. Den Angaben zufolge wären 48 Prozent der Katholiken in Italien nicht bereit, muslimische Familienmitglieder zu akzeptieren.

Vorbehalte gegenüber muslimischen Frauen, die Kopftücher oder andere religiös motivierte Kleidungsstücke tragen, gaben 31 Prozent der in Deutschland befragten Katholiken und 16 Prozent der Protestanten an. Nur Italiens Katholiken sehen die verschiedenen Formen der Verhüllung noch negativer. 35 Prozent von ihnen sagten, dass es muslimischen Frauen in ihrem Land nicht gestattet sein sollte, religiös begründete Kleidung zu tragen.Praktizierende Christen fremdenfeindlicher?

Insgesamt zeigt die Studie, dass ablehnende Einstellungen gegenüber Einwanderern, Muslimen und Juden unter Christen häufiger vorkommen als unter konfessionslosen Westeuropäern. Zudem hätten praktizierende Christen - Menschen, die mindestens einmal im Monat einen Gottesdienst besuchen - bei einigen Fragen zum Thema Islam und Einwanderung konservativer geantwortet als nicht praktizierende Christen. Damit sind Menschen gemeint, die nicht mehr als ein paar Mal pro Jahr an einem Gottesdienst teilnehmen. So sagten in Deutschland etwa 55 Prozent der praktizierenden Christen, dass der Islam grundsätzlich nicht mit der deutschen Kultur und deutschen Werten vereinbar ist. Der Anteil der nicht praktizierenden Christen in dieser Frage lag bei 45 Prozent, der bei den Konfessionslosen bei 32 Prozent.

Fast jeder fünfte Deutsche hätte laut Studie zudem ungern Menschen jüdischen Glaubens in seiner Familie. Demnach antworteten 19 Prozent der Befragten Menschen in Deutschland auf die Frage "Wären Sie bereit, einen Juden als Familienangehörigen zu akzeptieren?" mit "Nein". 69 Prozent sagten "Ja". Immerhin zwölf Prozent der Befragten gaben keine eindeutige Antwort. Zum Vergleich: Nur drei Prozent der Niederländer und Norweger hätten ein Problem mit jüdischen Familienmitgliedern. Die höchsten "Nein"-Werte ermittelten die Forscher in Großbritannien (23 Prozent), Italien (25 Prozent) und Österreich (21 Prozent).




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