Newsinternational Montag, 05.02.2018 |  Drucken

Erdogan beim Papst: Status Qou von Jerusalem erhalten!

Der türkische Präsident zu Besuch beim Papst im Vatikan. Ein Thema ist die Jerusalem-Frage. Aufgabe der Internationalen Gemeinschaft bleibe es, den Frieden in Jerusalem zu garantieren, deshalb sei es wichtig, den Status Qou zu erhalten, um so den Zugang für die Gläubigen zu deren religiösen Heiligstätten zu ermöglichen.

Vatikanstadt/Rom (KNA) Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan will nach eigenem Bekunden mit seiner Begegnung mit Papst Franziskus "gemeinsame menschliche Werte, Freundschaft und Botschaften des Friedens stärken". Das sagte Erdogan bei seinem Abflug von Istanbul nach Rom, wie italienische Medien am späten Sonntagabend berichteten. Erdogan wird am Vormittag von Papst Franziskus im Vatikan empfangen; im Anschluss trifft er sich mit Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella und mit Ministerpräsident Paolo Gentiloni.

Bei dem auf 20 Minuten angesetzten Treffen mit dem Kirchenoberhaupt wolle er über Palästina, Jerusalem, Syrien, den Irak sowie Antiterrormaßnahmen, Flüchtlinge und humanitäre Hilfen sprechen, kündigte Edogan an. Er lobte erneut ausführlich Franziskus' Stellungnahme in der Jerusalemfrage. Mit der Forderung nach einer Zwei-Staaten-Lösung und der Wahrung des Status Quo liegen der Papst und Erdogan auf einer Linie. "Seine Position ist wirklich sehr wichtig gewesen, um uns zu zeigen, was wir gemeinsam mit ihm als Anführer der Christen auf der Welt bewegen können", so Erdogan.

Islam sowie Juden- und Christentum müssten weiterhin Zugang zu den heiligen Stätten haben; die Rechte der Palästinenser seien ebenfalls zu wahren, so Erdogan weiter. Zudem sprach sich der türkische Präsident für eine Zwei-Staatenlösung aus - auch damit liegt er auf der Linie des Vatikan. Erdogan dankte dem Papst für ein Telefonat zu diesem Thema im Dezember. Laut Vatikan erfolgte das Gespräch damals auf Initiative Erdogans. Der Präsident betonte, Trump habe mit seinem umstrittenen Vorstoß im Dezember gegen internationales Recht verstoßen.

Erneut machte sich Erdogan für einen EU-Beitritt der Türkei stark. Zudem schilderte er seine Sicht auf die Migrationspolitik sowie seinen Kampf gegen Terror. Beides ist nicht unumstritten und könnte ebenso bei der Begegnung mit Franziskus auf den Tisch kommen. Der bekennende Muslim Erdogan sprach auch über seinen eigenen Glauben: "Religiosität ist für mich alles. Ich kann nicht darauf verzichten. Alles, was mir meine Religion zu tun gebietet, hat für mich Priorität."

Mit dem Papst wolle er zudem über "die wachsende Islamfeindlichkeit im Westen und den Kampf gegen kulturellen Rassismus" sprechen, so Erdogan vor dem Abflug nach Rom, wo er gegen 19.00 Uhr am Sonntag unter hohen Sicherheitsvorkehrungen landete.

Mehr als 3.000 Sicherheitskräfte sind laut Medienberichten zwischen Vatikan und Quirinalspalast sowie der Via Veneto im Einsatz, wo sich Erdogans Hotel befindet. In diesem Bereich soll auch ein Demonstrationsverbot gelten. Italienische Kurden und Menschenrechtler hatten Protestaktionen angekündigt. Fünf Kurden mit Landesflaggen wurden laut italienischen Medienberichten am Sonntag beim Angelus-Gebet mit dem Papst daran gehindert, den Petersplatz zu Demonstrationen zu betreten.

Erdogan hatte Franziskus bei dessen Türkei-Besuch 2014 in Ankara empfangen; er trifft ihn nun erstmals im Vatikan. Der Heilige Stuhl und die Türkei nahmen 1960 unter Johannes XXIII. (1958-1963) volle diplomatische Beziehungen auf. Diese wurden zuletzt getrübt, als Franziskus 2015 die Massaker an den Armeniern öffentlich als Völkermord bezeichnete. Ankara zog zwischenzeitlich seinen Vertreter beim Heiligen Stuhl ab. Erst 2016 kehrte Botschafter Mehmet Pacaci nach Rom zurück.




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